200 Neuensteiner Grundschüler spüren 27 Bäumen mit Fotoapparaten und Mikrofonen nach

Von Regina Koppenhöfer

Quelle: HZ, Montag, 06. Juli 2026

Atlas der Bäume
200 Neuensteiner Grundschüler spüren 27 Bäumen mit Fotoapparaten und Mikrofonen nach

Foto: Regina Koppenhöfer

Neuenstein Gemeinsam mit den beiden Hamburger Dokumentarfilmern Tanja Bächlein und Arne Bunk streifen 20 Grundschüler am Freitagvormittag über den Neuensteiner Friedhof. In drei Gruppen erkunden sie Bäume und richten ihr Augenmerk dabei ganz besonders auf Blutbuche, Zeder und Platane. Die Kinder und ihre Begleiter tun dies im Rahmen eines Projekts der Umwelt- und Medienbildung, das den Namen „Atlas der Bäume“ trägt und finanziell gefördert wurde durch die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg.

200 Neuensteiner Zweit-, Dritt- und Viertklässler erforschten an neun Tagen insgesamt 27 verschiedene Bäume auf dem Friedhof, im Park, an der Schule oder auch auf dem Sportplatz. Gemeinsam mit Bächlein und Bunk, die auch Gründer des Vereins Bild+Begegnung sind, haben sie Fotos und Töne der Bäume gesammelt. Fachlich begleitet wurden die Schüler von Christine Neuweiler vom Forstamt Hohenlohekreis und von Naturpädagogin und Waldcoach Regina Federolf-Kuch. Aus den Fotos, Tonaufnahmen und Kommentaren der Kinder entstanden am Schluss 27 einminütige Fotofilme über die jeweils erkundeten Bäume.

Bewegung im Blatt

Nachdem Zweitklässlerin Carla zwei kleine Sensoren an ein Platanenblatt gezwickt hat, staunen ihre Klassenkameraden ganz schön: Über ihre Kopfhörer hören die Mädchen und Jungen Geräusche, verursacht durch den Saft und dessen Bewegung im grünen Blatt. Wäre das Blatt abgestorben und ausgetrocknet, so erklärt ihnen Filmemacher Bunk, wäre nichts hören. Nun aber entsteht durch die Übertragung der Impulse auf ein elektronisches Instrument eine Art von Musik, der die Schüler aufmerksam lauschen.

Mit Mikrofonen, Kopfhörern, aber auch mit Fotoapparaten ausgestattet sind die Kinder den Bäumen an diesem Schultag auf der Spur. Ganz konzentriert sind sie bei der Sache. „Das mit den Medien finden die Kinder wirklich toll. Jeder darf fotografieren oder ein Mikrofon in die Hand nehmen und einen Kopfhörer aufsetzen“, lobt Klassenlehrerin Ute Randau, die mit Lehramtsanwärterin Margarita Stamm die kleinen Forscher begleitet. Pädagogin Randau kann bei ihren Schützlingen feststellen, dass diese die Bäume genauer betrachten, „und das finde ich an dem Projekt so gut“.

Milena, die gerade die Blätter einer Blutbuche fotografiert, staunt über das Alter, das Bäume erreichen können. „Wir haben heute gelernt, dass die Blutbuche 500 Jahre alt werden kann. Das hat mich voll überrascht, denn Menschen können ja nicht so alt werden.“ Ganz nebenbei beschäftigen sich Milena und ihre Klassenkameraden aber auch mit der Bedeutung der Bäume für ihre Umwelt, ebenso mit der Frage, was denn mit den Bäumen im Klimawandel passiere. Mit ernster Miene erklärt die Zweitklässlerin: „Die Bäume sind wichtig, weil die Blätter können für uns Luft machen.“

Filmemacherin Bächlein gefällt die Wissbegierde der Schüler. Sie lobt: „Sie sind wahnsinnig experimentierfreudig.“ Dankbar ist die Künstlerin auch für die Unterstützung durch die Neuensteiner Schule: Lehrerin Sina Keklik etwa habe alle neun Projekttage im Vorfeld organisiert. „Die Schule wurde uns als sehr offen empfohlen“, verrät Bächlein, das könne sie nur bestätigen. Die Dokumentarfilmerin wünscht sich nun, dass die Kinder nach dem Projekt ihre Umwelt noch mehr wahrnehmen werden. Sie hofft, dass die Schüler auch künftig darauf achten, wie es den Bäumen durch die klimatischen Veränderungen geht und die Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln, was sie zur Klima-Verbesserung beitragen können.

Umwelt- und Medienbildung

Ihr Umwelt- und Medienbildungsprojekt „Atlas der Bäume“ haben Tanja Bächlein und Arne Bunk seit 2018 bereits mehrfach an Hamburger Schulen durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt der Dokumentarfilmer mit dem bundesweiten Dieter-Baacke-Preis für herausragende medienpädagogische Arbeit ausgezeichnet.

Wo es die Filme zu sehen gibt

Filme unter www.atlasderbaeume.de/category/schule-neuenstein. Außerdem kann man sie vor Ort ansehen: An den von den Schülern untersuchten Bäumen befinden sich Baumscheiben mit QR-Codes, die zur Website führen.